Sus & Add Akkorde

Akkordaufbau

sus4 (sus), sus2

Beim Sus-Akkord wird die Terz des Akkords nicht gespielt, sie wird "suspendiert".

  • Im sus4 Akkord (oft einfach sus geschrieben) wird die Terz durch eine Quarte ersetzt.
  • Im sus2 Akkord wird die Terz durch eine Sekunde ersetzt.

Da der Sus-Akkord weder eine große noch eine kleine Terz besitzt, ist er weder Dur noch Moll, er bildet eine eigene Akkordkategorie.

7sus4 (7sus), sus9

sus9 ist eine Kurzform für 7sus4(9), also ein sus4 Akkord plus Septime und None.

Die None (9) ist tonal identisch mit der Sekunde (2) im sus2 Akkord. Die unterschiedlichen Bezeichnungen im Akkordsymbol beeinflussen nicht, wo der Ton auf dem Griffbrett liegt; sie helfen nur, den Aufbau des Akkordes zu erkennen: 9 sagt uns: "eine Septime ist auch drin", 2 sagt uns: "es gibt keine Terz mehr".

add9

Beim Add Akkord wird einem Dreiklang ein Ton hinzugefügt. Während C9 eine Septime beinhaltet (also eine Kurzform für C7(9) darstellt), gibt es im Cadd9 keine Septime.

Ein Cadd9 ist also ein C Dur Dreiklang mit einer None (D).

Auf dem Griffbrett...

Auf den Notenzeilen sehen wir die Akkorde in ihrer theoretischen Grundform. In einem Csus4 z.B. wird das E durch ein F ersetzt. In der Praxis können wir das F jedoch an jeder passenden Stelle auf dem Griffbrett spielen. Es kann ein oder zwei Oktaven höher liegen oder auch mehrfach im Akkord vorkommen. Diese Freiheit gilt ebenso für die anderen Töne im Akkord.

Grundton auf der A-Saite: Beispiel-Akkorde in C

Grundton auf der E-Saite: Beispiel-Akkorde in A

Beispiel-Akkordfolgen für sus und add

Hier gibt es fünf Akkordfolgen in fünf unterschiedlichen Tonarten. Zuerst wird jeweils eine Version mit Dur- und Moll-Akkorden (auch m7 und maj7 sind dabei) gezeigt. In den Variationen (Schaltfläche) werden diese dann z.T. durch Sus und Add Akkorde ersetzt.

Zweifelhafte (?) Akkordsymbole

add2, add4

Die Intervalle des Basis-Dreiklangs bzw. Vierklangs werden mit Zahlen bis 7 bezeichnet (z.B. 1 m3 5 7 in einem Mollseptakkord oder 1 3 5 6 in einem Sextakkord). Für zusätzliche Töne wird in der Akkordbezeichnung (und nur in der Bezeichnung!) eine Oktave dazugezählt, also 9 statt 2, 11 statt 4 und 13 statt 6.

Stolpert man also über einen add2 Akkord, ist damit in der Regel ein add9 Akkord gemeint. Wer add4 schreibt, meint meist add11. Bei sus2 oder sus4 ist das etwas anderes, da durch das Fehlen der Terz (3 bzw. m3) die 2 oder 4 Teil des Basis-Dreiklangs wird. Vielleicht will der Autor mit add2 ja zum Ausdruck bringen, dass die None genau einen Ton über dem Grundton liegen soll - oder es ist einfach harmonische Unwissenheit??? Noch einmal: Akkordsymbole sagen nichts über das Voicing aus (zumindest in der in Pop, Rock und Jazz üblichen Notation). Wird ein spezielles Voicing gewünscht, seien genaue Notation auf Notenzeilen oder Tabulatur/Griffdiagramm empfohlen.

Zahlen bis 7 bezeichnen die Intervalle des zugrunde liegenden Dreiklangs bzw. Vierklangs. Zusätzliche Töne werden mit 9 (b9, #9), 11 (#11) und 13 (b13) bezeichnet, es sei denn, sie ersetzen einen der Akkordtöne des Basis-Akkords (2 bzw. 4 ersetzen die 3 im sus2 bzw. sus4 Akkord, 6 ersetzt 7).

Akkordsymbole definieren nicht, in welcher Reihenfolge oder Oktave die Intervalle in der Praxis angeordnet werden.

m(add9), m(add11)

Beide Suffixe sind genau genommen vollkommen korrekt. In der Praxis sollte man jedoch Folgendes bedenken: Im Gegensatz zu Dur-Akkorden kann man bei Moll-Akkorden in fast jeder musikalischen Stilistik bedenkenlos eine Septime mitspielen (z.B. Dm7 statt Dm). Greift man ein bestimmtes Voicing eines Moll-Akkordes mit einer 9 auf der Gitarre, kann es sein, dass lediglich keine Saite bzw. kein Finger mehr für eine Septime zur Verfügung steht. Oft wird es also einfacher aber genauso passend sein, einen m7(9) bzw. abgekürzt m9 oder m7(11) bzw. abgekürzt m11 zu schreiben und in der Praxis die Septime einfach wegzulassen.

sus2

Bei sus2 verhält es sich ganz ähnlich: statt eines einfachen Dur Akkords kann man meist ohne Weiteres einen add9 Akkord spielen (wenn man den Sound mag). Lässt man beim add9 die Terz weg, erhält man einen sus2 Akkord. Sus2 ist in der Praxis also oft eine Variante eines add9 oder gar einfachen Dur-Akkords. Man muss also genau überlegen, ob man einen sus2 Akkord (vor-)schreibt oder eher add9 oder überhaupt nur einen Dur Akkord (mit allen Freiheiten für denjenigen, der den Song dann vom Blatt spielt).

Der sus2 Akkord entspricht einem add9 ohne Terz und wird in der Praxis oft statt eines einfachen Dur Akkords gespielt. Notiert und damit gefordert wird ein sus2 vom Komponisten eher selten - Ausnahme: Line Cliches* wie sus2 → Dur → sus4 → Dur (z.B. "Summer of '69" von Bryan Adams).

*) Durch Änderung des Akkordtyps (bei gleichbleibendem Grundton) wird eine Melodie erzeugt.